Jede Beziehung folgt eigenen Regeln, keine ist wie die andere. Auch eine offene Beziehung ist, was du draus machst. Was erlaubt ist und was nicht, legst du selbst fest. Mein Freund und ich kommunizieren zum Beispiel ziemlich offen und reden darüber, wenn uns jemand gefällt oder wenn wir ein Date mit einer dritten Person haben/planen. (Was im Alltag übrigens eher selten vorkommt. Kaum kann man haben, was man will, verliert es seinen Reiz)

Der Ernstfall in der offenen Beziehung: mein Freund möchte eine andere treffen

Mein Freund möchte sich nun mit einer Frau treffen, mit der er im Chor singt. Ich spüre, wie wenig alltäglich das immer noch ist. Neben dem Mit-ihm-freuen ist da auch immer Unsicherheit, Vergleich, Angst: die andere könnte schöner, toller, lustiger, schlanker oder gebildeter sein.

Das spiegelt so deutlich meine eigenen Ängste und Unsicherheiten. Und erfordert jedes Mal aufs Neue, den Blick wieder zu öffnen: aufs Große Ganze, in die Vogelperspektive. Von oben gesehen taucht da einfach ein offenbar liebenswürdiger und interessanter Mensch auf. Nicht mehr und nicht weniger.

Ängste wahrnehmen statt Gefühle verdrängen 

Mittlerweile habe ich gelernt, dass ich meine Ängste nicht verdrängen darf. Ich versuche sie  anzunehmen, liebevoll mit mir selbst umzugehen und nicht ins Grübeln zu verfallen. Stattdessen lenke ich meinen Blick bewusst auf meine Stärken, übe mich in Stolz über das Erreichte, pflege meinen Körper – und ziehe mir ein paar schicke Wohlfühlklamotten an. Um den Chor im Konzert singen zu hören – und die Andere zu sehen.

Es gibt Paare, die eine offene Beziehung nach dem Prinzip “Don’t ask, don’t tell” leben (frag nicht nach und erzähle nichts). Für mich ist das zu nah am Verdrängen und gibt den unweigerlich auftauchenden Gefühlen zu wenig Raum.

Neonschrift mit dem Wort Open in einem dunklen Raum

Die irrationale Angst vor der Unbekannten – Härtetest für die offene Beziehung

Stattdessen schau ich der Herausforderung lieber ins Gesicht. Das erfordert Mut und Risikobereitschaft, bedeutet aber weit weniger Selbstbeschiss. Ich weiß, dass die Angst vor der Unbekannten Dritten irrational sein kann. Dass ich dazu neige, die Unbekannte in meiner Fantasie zu überhöhen (sie ist schöner, besser, sexyer als ich etc.). Da hilft nur von Anfang an gegensteuern – und der anderen Frau ins Gesicht blicken.

Während des Konzerts betrachte ich die Frauen im Chor. Ich weiß nur, dass sie Sopran singt und kann lediglich raten, welche es sein könnte, die mein Freund begehrt. Zwei Frauen kommen für mich in Frage und ich spüre einen Stich der Eifersucht, weil es schöne, starke, aufrechte Frauen sind. Anstatt das unangenehme Gefühl der Eifersucht wegzudrücken, versuche ich es bewusst zuzulassen und hineinzufühlen. Dabei stelle ich fest, dass diese Frauen eigentlich meinem eigenen bevorzugten Frauen-Typ entsprechen.

Offene Beziehung: Selbsterkenntnis statt Selbstbeschiss

Solche Frauen – oder das, was sie in meinen Augen verkörpern – wünsche ich mir selbst mehr in meinem Leben. Mehr gelebte Weiblichkeit. Und mit einem Mal zeigt sich das Gefühl des Mangels, das ich zunächst für Eifersucht gehalten habe, als das, was es in Wirklichkeit ist: die Sehnsucht nach dem Femininen, nach weicher Haut und duftendem Haar, nach zarten Händen und empfangenden Lippen.

Das muss ich jetzt erstmal sacken lassen, weil mir diese Sehnsucht vorher nicht bewusst war.

Nach dem Konzert zeigt mir mein Freund natürlich die Frau, die er meint. Es ist eine, die mir vorher nicht mal aufgefallen ist. Ich möchte nicht so denken und tue es doch: keine Konkurrenz. Was wäre, wenn es eine der Traumfrauen gewesen wäre? Und was, wenn ich mir den ganzen Tag einen Kopf um Nichts gemacht hätte? Was hättest Du an meiner Stelle getan?

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