Man könnte meinen, ich sei abgebrüht mittlerweile. Nach unzähligen Besuchen im Swingerclub habe ich Routine und Erfahrung aufgebaut. Die Fragen nach dem Outfit oder dem richtigen Verhalten im Swingerclub bereiten mir schon lange kein Kopfzerbrechen mehr. Aber vor Herzzerbrechen bin auch ich nicht sicher. Man meint, eine Situation schon x-mal erlebt zu haben, und doch ist sie jedes Mal neu und anders. Manchmal so anders, dass es einen umhaut. Aber von vorne.

Denn in einem grundlegenden Punkt unterschied sich dieser Abend deutlich von allen anderen: Wir gingen nicht als Paar in den Swingerclub, sondern zu dritt.

Mein Freund und die zwei Frauen, die er liebt. Eine davon bin ich. Von der anderen wusste ich von Anfang an. Kennengelernt haben wir uns aber erst nach einem Jahr. Als ich begann, für meinen jetzigen Freund Gefühle zu entwickeln, überforderte mich der Gedanke an ein Zusammentreffen. Die beiden kennen sich schon seit Jahren, und ich war unsicher, wo mein Platz in dem Ganzen sein würde. Ich nahm Gefühle wahr, für die ich mich schämte: hat er mich so lieb wie sie? Was, wenn er sie mehr lieb hat als mich? Wenn sie schöner, klüger, selbstbewusster ist als ich – kann ich dann überhaupt neben ihr bestehen? Ich konnte nicht aufhören mich zu vergleichen, mich klein zu sehen neben ihr, der großen Unbekannten.

Zu dritt im Swingerclub: Die Angst vor dem (oder der?) Unbekannten

Mein Freund verhielt sich vorbildlich: er drängte mich nicht, erzählte nur so viel wie ich nachfragte, erzählte mir aber immer ehrlich, wenn er sie traf. Er wünschte sich nichts so sehr, wie mit den zwei Frauen, die er liebt, vereint zu sein. Aber er wusste auch, dass das ein so großer Wunsch ist, dass man ihn nicht stellen darf, sondern einfach dankbar sein, wenn er sich tatsächlich erfüllt.

Nach einem Jahr hielt ich unsere Beziehung für ausreichend gefestigt, um das Wagnis einzugehen und ihr zu begegnen. Wir hatten dafür neutrales, aber vertrautes Terrain ausgewählt: ein Café, das wir alle kannten. Ich war furchtbar nervös. Aber kaum sah ich sie, wusste ich: das ist eine Frau zum Gernhaben! Offen, ehrlich, weich und voller Lebendigkeit. Keine Bedrohung, sondern ein Gewinn. Keine Rivalin, sondern eine Frau, die man zur Freundin haben möchte.

Liebe zu dritt enthält Stolpersteine, aber auch einen großen Zauber.

Nun also unser erster gemeinsamer Besuch im Swingerclub. Warum wir überhaupt dieses intime Wagnis eingehen wollten, ist schnell gesagt: der Dreier oder sogar Gruppensex im Swingerclub ist unser Ding, es erfüllt uns, es erregt uns und wir lieben beide die Begegnung mit anderen Frauen, Männern und Paaren. Warum also nicht eine Frau mitnehmen, die mein Freund liebt? Und zur Unterstützung und Begleitung baten wir noch einen guten Freund dazu, den wir alle von ähnlichen Gelegenheiten kannten. Da waren wir also, zu viert im Club, rein rechnerisch zwei Paare – und doch alles andere als das.

Vorsicht: Ein Swingerclub-Besuch beinhaltet Risiken und Nebenwirkungen – erst recht bei einem Dreier

Der Abend begann wie immer: Wir kamen im Club an, zogen uns in der Garderobe um, hielten einen Tratsch mit der Clubchefin, nahmen einen Begrüßungsprosecco an der Bar und zeigten unserer Begleitung die Räumlichkeiten. Sie war super aufgeregt, denn im Gegensatz zu uns fehlt ihr die Routine. Mein Freund und sie hatten sich immer nur privat getroffen, während unsere Beziehung von Anfang an Besuche in Swingerclubs beinhaltete.

Ich fühlte mich auf sicherem Parkett, deshalb kam es mir nur logisch vor, ihr den Vortritt im Liebesspiel mit meinem Freund zu lassen. Ihm die Gelegenheit zu geben, sich erst mal bevorzugt um sie zu kümmern. Aber während ich mich ganz großmütig im Hintergrund hielt und mich erstmal mit unserem anderen Begleiter beschäftigte, überfiel mich die Eifersucht wie ein harter Schlag in die Magengrube.

Die beiden so zu sehen, eng und leidenschaftlich, tat plötzlich mehr weh, als ich es für möglich gehalten hätte. Der Kopf weiß: ich werde geliebt, ich gehöre dazu, lasst uns einfach eine schöne Zeit zusammen haben. Aber das Herz flüstert: Schau nur, wie er sie ansieht. Wie er sie berührt. Betrachtet er dich mit dem selben liebevollen Blick? Ist euer Sex genauso leidenschaftlich? Ganz klar: Du bist nur die Nummer zwei.

Im Nachhinein weiß ich, dass ich mich geirrt habe. Während ich mich zurücknahm, um ihr den Vortritt zu lassen, wartete mein Freund die ganze Zeit darauf, dass ich dazukam und mitmachte. Während ich dachte, er hat nur Augen für sie, fragte er sich, wo bleibt denn Lotta?

Notfall: Erste Hilfe gegen Eifersucht beim Dreier im Swingerclub

Wir müssen unsere Gefühle nicht immer erklären können. Und erst recht nicht immer selbst verstehen. Es reicht schon, sie wahrzunehmen – und zuzulassen.

Als mich die Eifersucht überfiel und mit ihr die Angst, nicht dazuzugehören, hielt ich einen Moment inne und fragte mich, was mir jetzt helfen könnte. Klarer Fall: meinem Freund nah zu sein, seine Umarmung zu spüren. Ihn einen kurzen Moment ganz für mich allein zu haben. Und genau das holte ich mir.

Ich kuschelte mich an seine Seite und bat ihn, mich einfach nur kurz zu halten. Während ich in seinen Armen sogar noch drei stille Tränchen vergoss, ebbte das unangenehme Gefühl ab und löste sich schließlich ganz auf. Wir konnten wieder da weitermachen, wo wir das Spiel zu viert unterbrochen hatten.

Die Angst und die Eifersucht ploppten noch ein paarmal an diesem Abend auf, und immer wiederholte ich mein Ritual: ich wanzte mich an meinen Freund ran und holte mir eine Extraportion seiner Liebe und Aufmerksamkeit. Im Anschluss redeten wir ausführlich über das Erlebte und stellten fest, dass ein Missverständnis der Hauptgrund für meine Verunsicherung war.

Auch beim Dreier wichtig: Gefühle wahrnehmen, zulassen und teilen

Diese Konstellation, bei der man vielleicht sogar schon von Polyamorie sprechen kann, ist natürlich alles andere als die Regel. Auch in diesem Umfeld. Aber die Gefahr der Eifersucht ist für alle Paare im Swingerclub gegeben. Alte Hasen kann sie genauso überraschen wie unerfahrene Neulinge.

Deshalb auf das Abenteuer Swingerclub zu verzichten, wäre schade. Das Leben generell birgt schließlich Risiken und ist potentiell tödlich. Ich weiß jetzt: wenn ich mich meinen Ängsten stelle, verlieren sie ihren Schrecken. Und als Paar können wir uns wieder etwas besser kennenlernen und zusammenrücken. 

Ein Abend zu dritt im Swingerclub wird eine seltene Ausnahme bleiben. Doch wir wollen es wieder versuchen. Trotz aller Risiken und Nebenwirkungen. Werden die Gefühle beim nächsten Mal genauso übermächtig sein? Werde ich selbstsicherer sein oder im Gegenteil angstvoll auf jede Gefühlsregung lauern? Das probieren wir dieses Wochenende aus.

Ich glaube ja, dass die Gefühle nicht mehr in dieser Heftigkeit zuschlagen werden. Und wenn sie es doch tun, ist es okay. Denn ich weiß, was ich tun werde:

Meine Gefühle wahrnehmen, zulassen und mit anderen teilen. Sie nicht unterdrücken und mit mir selbst ausmachen. Sondern aufmerksam und liebevoll bleiben, mich annehmen wie ich bin: mit aller Verletzlichkeit, Angst und Schwäche. Und daraus etwas Großes entstehen lassen: Eine Liebe zu dritt.

Ob es uns gelungen ist? Hier geht die Geschichte weiter!

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Foto von Jess Watters via pexels.com