Auch wenn es viele Gründe für eine offene Beziehung gibt – die offene Beziehung allein löst keine Beziehungsprobleme. Wie in jeder Partnerschaft gibt es gute und schlechte Tage und zwei Individuen die sich irgendwo in der Mitte treffen. Monogam zu leben könnte ich mir nach den Erlebnissen und Erfahrungen der letzten Jahre aber nicht mehr vorstellen. Beim Schreiben der letzten Blogartikel über offene Beziehung ist mir völlig klar geworden:

Es gibt 5 gute Gründe für eine offene Beziehung

1. Treue und Ehrlichkeit statt Fremdgehen und Lügen

Deine Beziehung zu öffnen bedeutet Schluss zu machen mit Affären und Seitensprüngen. Eine offene Beziehung funktioniert nämlich nicht ohne Treue. Treue bedeutet so viel mehr als nur sexuelle Exklusivität, zum Beispiel Loyalität und Ehrlichkeit. Das kann deiner Beziehung eine neue Tiefe, Verbundenheit und Entlastung geben.

Tipp: Sei so fair und erzähle auch Kontakten außerhalb deiner eigentlichen Beziehung ehrlich von deinem Beziehungsstatus. Auch auf die Gefahr hin, abgelehnt zu werden – überlasse dieser Person selbst die Entscheidung, ob sie mehr mit dir will.

2. Seitensprung? Kein Grund zur Trennung

Beziehungen enden. Das Scheitern von Ehen oder langjährigen Partnerschaften scheint traurig, aber normal. Das gehört eben zum Leben dazu. Aber dass so viele Beziehungen enden, weil einer fremd gegangen ist, macht mich traurig! 

Die meisten betrogenen Partner werden sagen, der Sex war nicht das Problem. Sondern die Lüge, das Hintergangen-Werden. Ihr Vertrauen in den Partner ist erschüttert oder verschwunden.

Was, wenn man sagen könnte “es war doch nur Sex, ich wusste davon und es war okay für mich”?    Wir teilen doch so viel mehr mit unserem Partner als nur das Bett. Da sind gemeinsame Träume und Lebenspläne. Wir stellen uns vor, zusammen alt zu werden. Und lachen über Insiderwitze, die sonst niemand versteht.

Das alles wegwerfen, nur wegen Sex? Ernsthaft?

“Dieser Größenwahn, dass EINE Liebe ALLES leisten muss!”

(Ulrich Clement)
An der Liebe festhalten, auch wenn die sexuellen Wünsche auseinander gehen.

3. Endlich Entspannung statt AMEFI

Prinzessin gerät in Trouble, Prinz macht sich auf, besteht diverse Abenteuer darf zur Belohnung die Prinzessin küssen, und sie werden glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage. 

Das ist die Kurzfassung für AMEFI: “Alles mit einem für immer”.

Klingt romantisch, stellt aber auch wahnsinnig hohe Ansprüche an die Liebe. Der Psychotherapeut und Sexualwissenschaftler Ulrich Clement gibt in einem Interview über Seitensprünge mit der Zeitschrift Brigitte zu bedenken:

“Wir wollen alles mit einer Person: gute Gespräche und guten Sex, Geborgenheit und Abenteuer. Das ist eine heillose Überforderung jeder normalen Beziehung. (…) Dieser Größenwahn, dass eine Liebe alles leisten muss! Natürlich wird es mich verletzten, wenn mein Partner etwas mit einer anderen Frau anfängt. Es verletzt mich deshalb so sehr, weil ich denke, ich müsste ihm alles sein. Stattdessen merke ich nun, dass dieser Mensch Sehnsüchte hat, die er woanders vielleicht besser leben kann. Aber, und das ist das Zentrale, das heißt noch lange nicht, dass ich etwas falsch gemacht habe.” 

Ulrich Clement in der ‘Brigitte’

Du bist nicht für das Seelenheil und Lebensglück deines Partners verantwortlich.

Spürst du die Entlastung, die dieser Gedanke bringt? Dass auch er*sie nicht für dein Glück und Heil zuständig ist, bedeutet: Du bist nicht mehr von ihm*ihr abhängig.

Du hast dein Schicksal selbst in der Hand. Darin steckt ein unglaubliches Entwicklungspotential: indem du deinen Focus weg lenkst von Fehlverhalten, Mangel und Unzulänglichkeit – und hin zu Fülle, Austausch und seelischem Wachstum. Das erfordert anfangs Übung, wird dir aber immer leichter fallen.

4. Weniger Drama, mehr Zeit für die wichtigen Dinge

Manche Beziehungen sind pures Trash-TV. Das Drama um himmelhohe Liebe und bodenlose Eifersucht ist für manche ein Motor, ohne den sie sich nicht lebendig fühlen. 

Der Preis dafür ist hoch, denn diese Art zu lieben kostet wahnsinnig viel Kraft. Heute himmelhoch jauchzend, morgen zu Tode betrübt? Das klingt mehr nach manisch-depressiver Stimmungskurve als nach gesunder Partnerschaft auf Augenhöhe.

Eine offene Beziehung ist die bewusste Entscheidung, rationaler zu lieben. Du entscheidest dich dafür, unangenehme Emotionen wie Eifersucht, Verlustangst oder Selbstzweifel zwar wahrzunehmen, aber nicht sofort kopflos darauf zu reagieren. Man könnte auch sagen: Du nimmst deiner inneren Drama-Queen den Wind aus den Segeln.

Je besser das gelingt, desto mehr Zeit hast du für Dinge, die dir wirklich wichtig sind – für die Chancengleichheit alleinerziehender Studenten/innen zu kämpfen, dir einen Namen als Expertin in deinem Beruf zu erarbeiten oder einfach ein höchstmögliches Maß an Zufriedenheit mit deinem Leben zu erlangen.

5. Der Sex wird besser

Auch wenn die Eifersucht gerade zu Anfang schmerzen kann – Bestätigung und Interesse von anderen, neuen Menschen zu erhalten und wahrnehmen zu dürfen hebt euer Selbstbewusstsein. Vielleicht lernst du im Umgang mit neuen Bettgefährten sogar andere Praktiken, Techniken oder Stellungen. Du kannst die Freiheit nutzen, deine eigenen sexuellen Fantasien zu ergründen und dich selbst besser kennenzulernen. Das alles kann dazu beitragen, auch das Feuer in deiner Beziehung wieder anzufachen.

… und was ist mit dem Sex außerhalb der Beziehung?

Kommt drauf an.

Sex kann ein Grund sein, eine offene Beziehung zu versuchen. Zum Beispiel, wenn zwei Partner unterschiedliche sexuelle Fantasien und Wünsche haben, so wie es bei mir war.

Wer allerdings Sex außerhalb der Beziehung sucht, um Probleme oder Bedürfnisse in der Beziehung nicht ansprechen zu müssen, ist auf dem Holzweg. Eine Beziehung, in der es an Kommunikation fehlt, die vielleicht schon dem Ende zugeht, wird dadurch kaum besser.

Das Grundgerüst der Beziehung muss stimmen. Beide Partner sollten von Herzen dazu entschlossen sein.

Was sind eure Gründe für die offene Beziehung?

Seid ihr beide bereit, euch zu verändern, eure Gefühle zu hinterfragen und das Denken neu auszurichten? Mit Geduld, (Selbst-) Liebe und gegenseitiger Unterstützung liegt ein spannendes Abenteuer vor Euch – und vielleicht eine lebenslange Liebe.  


Willst du mehr über offene Beziehung lesen?

Dann interessieren Dich vielleicht auch die 7 Fehler, die offene Beziehungen scheitern lassen oder die Superkräfte, die eine offene Beziehung dir verleihen kann. Denn eine offene Beziehung ist, was DU draus machst!

Willst du noch mehr wissen zum Thema offene Beziehung, Affären, Fremdverlieben? Dann lies hier weiter:

(Blog) Liebe Leben Blog von Beziehungscoach Melanie Mittermaier
(Buch 1) Wenn Liebe fremdgeht: Vom richtigen Umgang mit Affären (Ulrich Clement)
(Buch 2) Seitensprünge: Warum Untreue nicht zur Trennung führen muss (Stephanie Katerle)
(Buch 3) Treue ist auch keine Lösung: Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe (Holger Lendt und Lisa Fischbach)

Foto von Pablo Heimplatz über unsplash.com


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