Über manche Beziehungsthemen schreibt es sich wie von selbst – andere verursachen fünf Tage lang Bauchschmerzen. Fünf Tage lang kauen und beißen und ziehen und zerren. An Wörtern würgen und Sätze ausspucken. Zwischendurch genervt alles hinwerfen, dann einen Verdauungsschnaps kippen und doch wieder weitermachen. Und alles nur für einen Zweck: den meistgelesenen Blogartikel aller Zeiten schreiben.

In all meinen Texten steckt viel Arbeit (und niemals KI). Weil ich nicht einfach nur etwas hinschwurbeln, sondern dir einen echten Mehrwert an die Hand geben will.

Auch, wenn er unabsichtlich zum meistgelesenen Blogartikel wurde: dieser eine Text lag mir wie ein Stein im Bauch. Obwohl oder vielleicht gerade weil das Thema mir so am Herzen liegt: Ein Pro & Contra zur Offenen Beziehung sollte es werden. Eine Entscheidungshilfe für alle, die sich fragen:

Wie kann eine offene Beziehung funktionieren?

Stattdessen hatte ich ein Textmonster erschaffen. Einen Golem aus Times New Roman, dermaßen ohne Linie und Ziel, dass mein Deutschlehrer sich zum Weinen eine stille Ecke gesucht hätte.   

Da half nur noch ein mutiger Griff zum digitalen Radiergummi und konsequentes Eindampfen auf das, was ich eigentlich die ganze Zeit sagen will:  

Wie kann irgendeine Beziehung OHNE Offenheit funktionieren?

Ohne Ehrlichkeit, ohne Visionen – und vor allem ohne deinen Partner als das zu sehen, was er ist: Ein Mensch mit Träumen, Fantasien und Bedürfnissen, die nichts mit Dir zu tun haben müssen?

Ohne es zu ahnen setzte ich damit den bislang meistgelesenen Artikel dieses Blogs in die Welt:

5 konkrete Gründe für die Offene Beziehung – und warum Sex (k)einer davon ist.

Dabei bin ich kein Beziehungscoach, keine Sexualtherapeutin und schon gar kein von allen Beziehungsproblemen befreiter Übermensch. Ich bin einfach eine Frau, die keine Lust hat auf den immer gleichen Ablauf aus Verliebtsein-Beziehungsalltag-Fremdgehen-Trennung. Und die in Sachen Partnerschaft lieber etwas Neues ausprobieren will.

Am meistgelesenen Blogartikel schuld ist nur die Domina

Schuld an meinen Bauchschmerzen ist die Dienstleisterin, die meinen Freund bei der Erfüllung seiner geheimsten Fantasien unterstützte.

Bis ich durch Zufall dahinterkam.

So ein Geheimnis zu entdecken zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Mein Partner hat mir Dinge verschwiegen und nur die Hälfte erzählt von dem, was er in der anderen Stadt gemacht hatte. Ich fühlte mich unzulänglich, naiv und unbeholfen.

Aber anstatt uns gegenseitig Schuldzuweisungen zu machen, redeten wir darüber. Ich erfuhr, was er bei ihr fand, das ich ihm nicht geben konnte. Und mir wurde klar: Ich bin nicht der Nabel der Welt. Ich bin nicht Schuld daran. Und dass es jetzt so offen auf dem Tisch liegt, darin liegt eine große Chance.

Den Grund für jedes Problem bei mir zu suchen ist auch bloß eine Form von Größenwahn. 

Denn ich bin nicht allwissend, ich kenne nicht alle Tricks im Bett und bin nun mal einfach keine dominante Frau. Und muss es auch nicht ihm zuliebe sein.

Es ging nicht von heute auf morgen, aber wir schafften es: über unsere sexuellen Wünsche zu reden und uns gegenseitig Raum zum Ausprobieren zu geben.

Am wichtigsten war dabei, dem Wunsch des anderen mit Interesse und Respekt zu begegnen. Nach der gemeinsamen Schnittmenge zu forschen. Aber auch eine Grenze zu ziehen, wenn unsere Fantasien auseinandergingen. 

Der meistgelesene Blogartikel aller Zeiten: “5 Gründe für die offene Beziehung”

Alle 5 Gründe für die offene Beziehung entsprechen meinen persönlichen Erfahrungen, die ich seither machen durfte. Diese Beziehung dauerte noch einige wunderschöne Jahre. Nach 16 Jahren entschlossen wir uns dennoch zur Trennung, um in Zukunft eigene Wege zu gehen. Dabei habe ich einen Liebhaber verloren, aber einen Freund fürs Leben gewonnen. 

Denn was wir gemeinsam durch die offene Beziehung gelernt haben, kann uns niemand nehmen! 

Das war ein kleiner Einblick in meine Textwerkstatt. Und jetzt gehe ich die Contras gegen die Offene Beziehung schreiben!    

Signatur Alles Liebe, Deine Lotta

Foto von Lauren Peng über unsplash.com

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