Hätte mir vor einem Jahr jemand von der Frau erzählt, die ich heute bin, hätte ich ihn entweder ausgelacht oder für verrückt erklärt. Selbstzweifel, Angst vor Nähe und Eifersucht, einfach so weggeblasen?

Nein, so einfach war es echt nicht.

Und doch habe ich mich im ersten Jahr unserer offenen Beziehung total verändert, bin ausgeglichener, selbstbewusster und mutiger geworden.

Die offene Beziehung hat mir 7 Superkräfte verliehen

… und das beste: sie kommen einem auch in anderen Lebensbereichen zugute:

1. Nähe zulassen 

Einen großen Freundeskreis hatte ich noch nie. Meinen engsten Kreis habe ich im Gegenteil immer mit Bedacht gewählt, und es dauert lange, bis ich jemanden als meine*n Freund*in bezeichne.

Durch die Offene Beziehung und das daraus folgende Daten neuer möglicher (Sex-) Partner habe ich ganz neue Menschen in meine Nähe gelassen, mit denen ich sonst keine Berührungspunkte gehabt hätte. Wir alle leben ja in einer sozialen Filterblase, indem wir uns bevorzugt mit Menschen ähnlicher Bildung, gleicher Herkunft oder Meinung umgeben.   

Aber gerade im Swingerclub ist es nicht von Belang, welchen Beruf jemand hat oder was er darstellt – man trifft sich von vornherein auf einer intimen Ebene und sieht so auch schneller den Menschen hinter der ‘sozialen Maske’. Auf diese Weise hatte ich Begegnungen mit Menschen anderer Herkunft, anderer sozialer Schichten, die sonst unwahrscheinlich gewesen wären. Meine Welt ist dadurch bunter und vorurteilsfreier geworden.

Gerade der unkomplizierte Sex im Swingerclub ist deshalb ein einzigartiges Übungsfeld: für Toleranz, Respekt und Menschlichkeit.

2. Mehr schaffen, als ich mir zugetraut habe 

Als introvertierter Mensch bin ich gerne allein. Daraus schöpfe ich neue Kraft und tanke meine Reserven auf. Doch wenn man nicht nur ab und zu mal ein Date hat, sondern diese Menschen liebgewinnt und regelmäßiger trifft, kann es eng werden mit der Zeit.

Anfangs hatte ich Sorge, wie ich das alles schaffen soll – Beziehung, Liebhaber, me-time. Ganz zu schweigen von Beruf und Alltag. Die Offene Beziehung hat einen neuen Umgang mit meiner Lebenszeit erforderlich gemacht. 

Ich nutze freie Stunden jetzt bewusster, verplemper weniger Zeit vor dem Fernseher oder beim Stadtbummel. Das Leben fühlt sich dadurch dichter, aber auch reicher an Erlebnissen an.

Die lebhafte Liebe und der atemberaubende Sex schenken mir so viel Kraft zurück, dass alles plötzlich wie von alleine flutscht.

3. Weniger für Andere mitdenken 

Die monogame Beziehung zu öffnen bedeutet, den Partner loszulassen, ihm mehr Freiheiten zu geben. Früher war ich es gewohnt, viel für meinen Freund mitzudenken, ihn an Termine zu erinnern, für ihn zu sorgen. Das konnte ich mit der Zeit immer mehr ablegen, zu unserer beider Nutzen.   

Denn diese neue Freiheit gilt in beide Richtungen, durch das Loslassen der Leine fühle auch ich mich selbständiger. Es ist ein Geben und Nehmen, wie es für Beziehungen typisch sein sollte – nur auf eine neue Weise. Wenn wir dann zusammenkommen oder etwas gemeinsam planen und unternehmen, fühlt es sich umso besonderer und schöner an. Unsere Beziehung ist dadurch weniger symbiotisch, aber irgendwie erwachsener geworden.    

Eifersüchtig sein heißt nicht,  an seiner Frau (seinem Mann) zu zweifeln,  sondern an sich selbst zu zweifeln. 

Honoré de Balzac

4. Eifersucht aushalten

Ich will ehrlich sein, es ist nicht immer leicht gewesen in diesem ersten Jahr. Zwar ist meine schlimme Eifersucht aus früheren Jahren Gott sei Dank Geschichte, denn am meisten habe ich mir mit meinen inneren Dramen selbst weh getan. Aber sobald ich merkte, wie wichtig eine andere Frau für meinen Partner geworden ist, war da doch ein Stich im Herzen und die Angst, verlassen zu werden. Nicht gut genug zu sein. 

Das Einzige, was gegen dieses Gefühl hilft: Deal with it. Halte es aus. Schieb es nicht weg, weil es unangenehm ist, sondern hör hin, was es Dir zu sagen hat. Ich habe für mich erkannt, dass Gefühle der Eifersucht immer dann aufkommen, wenn ich viel Stress habe und mich darüber zu wenig um mich selbst gekümmert habe.   Dann baue ich bewusst wieder mehr me-time in meinen Alltag ein – lese in Ruhe ein Buch auf dem Sofa, gehe in einem schönen Park spazieren oder schaue einfach mal dumm aus dem Fenster. Sollte das nicht reichen, hilft wie so oft Reden. Dann sage ich meinen Partner, dass ich verunsichert bin, und hole mir eine extra große Portion Liebe und Kuscheln ab. Denn ich darf meine

5. Bedürfnisse ernst nehmen und für sie eintreten

Selbstfürsorge ist nicht egoistisch, sondern lebensnotwendig. Sorge für Dich wie gute Eltern für ihr Kind sorgen würden. Wer soll es sonst tun, wenn nicht zuallererst Du selbst? 

Meine überraschendste Erkenntnis im letzten Jahr war, dass ich mehr Sex brauche, als ich mir bisher eingestanden habe. Mich dafür nicht zu schämen oder es als unwichtig abzutun, das bin ich mir schuldig. Muss man üben, kann man aber lernen. Indem man vorschnelle Gedanken (Das geht auch ohne, das musst Du nicht, andere können auch xy…) hinterfragt und prüft, ob sie wohlgesonnen oder überkritisch sind. Der innere Kritiker bekommt von mir jetzt immer öfter mal Redepause verordnet.      

Das Leben schrumpft oder dehnt sich aus abhängig von unserem Mut.”  

Anaïs Nin

6. Mutig sein 

Noch nie im Leben habe ich so viel Neues ausprobiert, wie im letzten Jahr. Blind Dates, die im Stundenhotel enden. Auf High Heels gehen lernen. Nackte Haut zeigen. Mit zwei Männern in den Urlaub fahren, und vieles mehr.

Meine zögerliche, vernunftgeprägte Seite hatte bisher die Oberhand im Leben. Die abenteuerlustige, mutige Lotta kam viel zu selten zum Zug. Jetzt hat sie Gelegenheit, zu experimentieren, zu spielen und zu toben.

Ich lebe meine sexuellen Fantasien aus, erfinde mich auf frivolen Parties neu. Will ich sinnliche Tantramassage genießen und über Stunden einem Mann nahe sein, ohne ein Wort zu reden? Oder nehme ich mir 3 auf einmal, während 5 weitere dabei zusehen? Es ist so vieles möglich, wenn man sich traut.

7. Lust ausleben

Den Moment zu genießen, spielerisch mit den Möglichkeiten umzugehen, das ist die logische Folge daraus. Einfach mal den Impulsen nachgeben und sehen, wohin sie führen. Was mir Lust bereitet, kann nicht so verkehrt sein (solange dabei niemand anderes zu Schaden kommt oder Gesetze verletzt werden). Dazu gehört auch die Vorfreude auf einen intimen Abend unter Gleichgesinnten, genauso wie das warme Pulsieren im Unterleib noch Stunden nach dem Sex.

Wo unser Liebesleben in der Beziehung aufgrund der langen Jahre einfach routiniert und wenig überraschend war, bekommen die Hormone jetzt regelmäßig neue Kicks. Und das fühlt sich einfach gut an, weil ich meine eigene Lebendigkeit spüre. 

Meinen Körper habe ich in dieser Zeit ganz neu kennengelernt. Nicht nur in seinen Möglichkeiten, Höhepunkte zu haben, von denen ich vorher noch nie gehört hatte (oder kennst Du anale Orgasmen?). Durch die neue Bestätigung von außen und die vielen guten Hormonausschüttungen durch den Sex fühle ich mich auch attraktiver und kann meinen Körper ganz neu annehmen, wie er ist.Vermeintliche Makel sind unbedeutend geworden. Und dass ich ausgerechnet für meinen bisher ungeliebten Po soviel positiven Zuspruch bekommen würde…  …

Das alles sind Erfahrungen oder Fähigkeiten, für die es keine Offene Beziehung braucht.
Auch auf anderen Wegen kann man lernen, Nähe zuzulassen, dem Partner mehr Freiraum zu geben oder seinen Körper anzunehmen, wie er ist. Doch soviel ist sicher:

Schneller als in einer Offenen Beziehung kann man diese Veränderungen kaum durchmachen. 

Ohne Übertreibung kann ich sagen: das war das beste Jahr meines Lebens, und diese neuen Superkräfte kann mir niemand mehr nehmen!

Hast Du selbst bereits Erfahrungen mit offenen Beziehungsformen gemacht, oder bist unsicher, ob Du Dich darauf einlassen willst? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!