Seitdem die Menschheit entdeckt hat, dass der Po keine Einbahnstraße ist, stecken sich die Leute Dinge da rein.

Analsex ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit. Und trotzdem führt er ein Schattenleben abseits des Normalen und Erlaubten. Das liegt nicht zuletzt an unserer kirchlich geprägten, lustfeindlichen Vergangenheit. Doch trotz aller Aufklärung und bis zum Exhibitionismus gelebten Offenheit in den sozialen Medien haftet dem Analsex etwas anrüchiges, verbotenes an. Und das, wo er ein so großer Lustbringer sein kann!

Deshalb ist es höchste Zeit, mit einigen Irrtümern über Analsex aufzuräumen:

1. Analsex? Schau ich mir im Porno ab!

Schlechteste Idee ever. Analsex im Porno hat mit der Realität wenig gemein. Nicht nur, dass die Darsteller*innen eine umfangreiche Vorbereitung hinlegen, bevor die Szenen gedreht werden. Auch sind viele Positionen und Praktiken wie zum Beispiel sehr harter Sex in der Realität wenig angenehm und können sogar zu Verletzungen führen. Einen umfangreichen Artikel über Analsex in Fiktion und Wirklichkeit könnt Ihr beim Vice Magazine nachlesen. (Zitat: “Die Fans sehen, wie der Penis reingeht. Sie sehen aber nicht, wie ich eine halbe Stunde auf dem Bett liege, mir Wasser in meinen Hintern drücke und ihn dehne.”)

2. Analsex macht eh nur dem Mann Spaß

Der Anus ist ein richtiges kleines Sensibelchen, weil er von einer Vielzahl von Nerven durchzogen ist. Außerdem ist die G-Fläche mancher Frauen durch die Hintertür sehr gut stimulierbar, und die Flügel der Klitoris freuen sich auch über zusätzliche Streicheleinheiten – nicht wenige Frauen können deshalb sogar zu analen Orgasmen kommen. 

Analsex zu haben ist deshalb noch lange kein Pflichtprogramm. Schon gar nicht, um es dem/der Partner*in recht zu machen. Aber ein Versuch lohnt sich, um das eigene Repertoir an Lustempfinden und erotischen Spielarten zu erweitern. Falls es in der Vergangenheit nicht geklappt oder sogar schmerzhaft war, der Gedanke daran Dich aber nicht loslässt, starte einen weiteren Versuch. Unter entspannteren Umständen, mit sensiblerem Partner.

Ich selbst habe Analsex erst mit 37 entdeckt, und möchte nie mehr darauf verzichten! Schon allein, weil er eine praktische Alternative ist, wenn ich meine Tage habe und trotzdem Lust auf Sex habe. Er fühlt sich sehr nah und intim an. Und eine entspannte Analroutine ist zwar nicht erforderlich, aber ungemein hilfreich, wenn man einen Dreier mit zwei Männern erleben will…

3. Analsex tut weh

Ja, Analsex tut weh – wenn man ihn falsch angeht. Dann liegt es wahrscheinlich an einem der folgenden Umstände:

  • Du bist zu trocken

Da der Anus nicht wie die Vagina über ein Selbstbefeuchtungssystem verfügt, ist der großzügige Einsatz von Gleitgel ein Muss. Am besten eignen sich dickflüssige Gels. Alternativ gibt es Produkte, die speziell für den Einsatz hintenrum gemacht sind, wie zum Beispiel das Pjur Backdoor Relaxing Anal Glide. Es hat eine etwas ölige Konsistenz und einen sofort entspannenden Effekt auf den Anus. Ein lang anhaltender Spaß ohne Ziepen ist also garantiert. In diesem Blogartikel findest du alles Wissenswerte über Gleitgel und wie man es richtig anwendet.

  • Dein*e Partner*in ist zu schnell

Flutsch und rein das Ding ist nicht. Stattdessen ist Höflichkeit gefragt: wie ein guter Gast erstmal höflich anklopfen mit der Penis- (oder Dildo-) Spitze.  Vielleicht sogar mit einem Plug spielen. Und erst wenn der Gastgeber hereinbittet, dann, aber erst dann durch die Tür treten.

Der Anus ist von Natur aus ein schüchterner und ängstlicher Geselle. Erst wenn er entspannt und aufmacht, ist ein langsames Eindringen möglich. Auf keinen Fall in einem Rutsch, sondern Millimeter für Millimeter. Dabei ruhig immer wieder an einem Punkt verharren, und dort langsam rein und raus bewegen, damit der Muskel sich entspannt und der penetrierte Part sich an das Gefühl gewöhnt.

Sollte es sich anfühlen, als ob der Penis innen ‘anstößt’, kann eine Veränderung der Position helfen – ansonsten ist eben dort Schluss. Vom aktiven Part ist hier absolute Selbstbeherrschung gefragt, damit das Spiel für beide Partner lustvoll – und gesund – bleibt.

Eine Einschränkung gibt es dabei jedoch: Das kann nicht jeder. Denn ohne den Reiz des Hin und Her bleibt er nicht bei allen steif genug. Wenn das so ist, muss man eventuell ein Einsehen haben, und auf Analsex im klassischen Sinne verzichten. Möglich bleibt ja immer noch der Einsatz von Spielzeug – und da ist die Bandbreite riesig, vom kleinen Plug bis zum Dildo.

  • Es ist der falscher Zeitpunkt, Ort, Partner…

Ohne Entspannung und große Lust ist Analsex doof – und schmerzhaft. Gerade auf das weibliche Lustempfinden wirken so viele Faktoren ein, dass wir Frauen selbst nicht immer den Überblick haben. Das Schlafzimmer zu kalt oder zu warm, zu viele Gedanken im Kopf, zu viel Stress letzter Zeit – und auch der Mitspieler muss der Richtige sein für dieses Experiment. Das lässt sich gar nicht immer rational begründen, und das musst Du auch nicht. Vertrau auf Dein Bauchgefühl. Hör auf Deine innere Stimme, wenn sie “Nein, jetzt nicht” sagt!

  • Es ist einfach nicht Dein Ding

Nicht jedem muss Analsex Spaß machen. Wenn Du einfach nicht der Typ dafür bist, es Deine Lust kalt lässt oder Du schlicht keinen Bock hast, alles mitzumachen: lass es. Die Welt der Erotik ist groß und bunt, für jeden ist genug dabei!

Willst du wissen, wie es hinter dem Hintertürchen weitergeht?

4. Analsex leiert den Anus aus und macht inkontinent

Dass es durch Analsex zu Stuhlinkontinenz kommt, ist der absolute Ausnahmefall. Wenn man die Grundregeln beachtet – genug Gleitmittel, langsam machen, achtsam sein und bei Schmerzen sofort stoppen – sollten auch keine Verletzungen auftreten. Auch zieht sich der Schließmuskel selbst bei größter Dehnung wieder in seinen Ausgangsumfang zurück, da kann also nichts ‘ausleiern’.

Trotzdem profitiert auch Dein Po von regelmäßigem Beckenbodentraining. Nicht nur, weil dadurch das Lustempfinden ganz allgemein gesteigert werden kann. Du lernst auch ganz nebenbei, Deinen Anus aktiv anzuspannen und vor allem zu ent-spannen, wenn es drauf ankommt.

5. Analsex ist schmutzig

Der Klassiker unter den Irrtümern über Analsex.

Der Bereich, der beim Analsex bespielt wird, sollte von Natur aus eigentlich frei von Kot sein. Da man es aber nie ganz ausschließen kann, kann die Verwendung einer Analdusche sinnvoll sein. Dabei handelt es sich um einen kleinen festen Ballon aus Gummi, der mit handwarmem Wasser gefüllt wird, und dann anhand einer fingerdicken Spitze mit vielen kleinen Öffnungen in den Anus eingeführt wird.

Ein kleiner Tropfen Gleitgel auf der Spitze erleichtert das Einführen ungemein. Drückt man dann den Ballon zusammen, strömt das Wasser heraus und nimmt auf seinem Weg in die Kloschüssel alles Unerwünschte mit. Fühlt sich beim ersten Mal sehr seltsam und befremdlich an, aber mit etwas Übung wird der Vorgang so normal wie Zähneputzen.

Weil fester Stuhlgang außerdem zu einem sauberen Hintertürchen führt, sind ballaststoffreiche Nahrung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (in diesem Fall: Trinken!) hilfreich. So kann der Hang zu regelmäßigem Analsex sogar noch gesundheitsfördernd sein.

6. Analsex ist ungefährlich

Sex bedeutet potentielle Krankheitsübertragung, und Sex bleibt Sex – egal ob oral, vaginal oder anal.

Die empfangende Person hat beim Analsex ein 17-mal höheres Risiko, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder HPV-Viren anzustecken, als beim Vaginalverkehr. Um sich vor Ansteckung zu schützen, ist die Benutzung eines Kondoms deshalb genauso erforderlich wie bei ‘normalem’ Sex.

Abgesehen von übertragbaren Krankheiten gibt es noch weitere Risiken, die die Hygiene betreffen. Darmbakterien gehören in den Darm. Auf keinen Fall gehören Darmbakterien in die Scheide. Sie können dort zu Pilzinfektionen führen. Da wir unsere Pussy lieben und hegen, schützen wir sie entsprechend.

Deshalb: wechsle niemals direkt von Po zu Pussy, ohne das Kondom zu wechseln oder Dein bestes Stück gründlich zu waschen.

Bei Stellungen wie z.B. Doggy achte darauf, dass keine Flüssigkeiten (Gleitgel, Sperma) vom Po zur Pussy laufen.

Daraus nun den Rückschluss zu ziehen, dass Analsex generell gefährlich ist, stimmt so auch wieder nicht. Auch Autofahren oder mit einem scharfen Messer Zwiebeln schneiden birgt potentielle Lebensgefahr. Es kommt auf die Vorbereitung und den Umgang damit an. Als Fahranfänger fange ich mit wenig PS und auf kurzen Strecken an, und den Umgang mit scharfen Messern lernen wir eine ganze Kindheit lang.

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Eine kurze Zusammenfassung zum Schluss: Sich für die Erkundungstour ins Hintertürchen viel Zeit und eine große Tube Gleitgel nehmen ist wohl das Wichtigste überhaupt. Am Anfang reicht ein Finger, dann ein zweiter, dann vielleicht erstmal ein kleiner Plug oder Dildo. Wenn man sich an das Gefühl gewöhnt hat – und es einem immer noch Lust bereitet – steht auch dem Versuch mit menschlichem Tatwerkzeug nichts mehr im Wege.


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