Ich finde es okay, wenn mein Freund andere Frauen trifft. Mein Freund findet es okay, wenn ich andere Männer treffe. Viel häufiger treffen wir gemeinsam befreundete Paare oder Singles zum für erotische Stunden. Was viele als Freibrief zum Fremdgehen sehen, ist für uns gelebter Alltag: eine offene Beziehung. Aber welche Formen der offenen Beziehung gibt es eigentlich? Gelten in jeder offenen Beziehung die gleichen Regeln?
Es gibt so viele Formen der offenen Beziehung, wie es Paare gibt
Die Freiheit, Sex mit anderen als dem Partner haben zu dürfen, ist erstmal nichts anderes als das: eine Freiheit. Ich muss sie nicht nutzen, aber ich könnte. Ohne schlechtes Gewissen, ohne Lügen. Das nimmt schon mal eine ganze Menge Druck raus.
Alles, was für monogame Beziehungen gilt, gilt auch für uns: wir wollen ehrlich zueinander sein. Uns wertschätzen und unterstützen. Füreinander da sein. Den Alltag teilen und die besonderen Momente genießen. Miteinander alt werden.
Und wir mögen Sex. Unseren Sex, aber eben auch den mit anderen.
Das ist die Grundeigenschaft einer offenen Beziehung. Wie man sie darüber hinaus im Detail gestaltet, ist jedem Paar selbst überlassen. Manche haben ausschließlich im Swingerclub Sex mit anderen Menschen. Andere haben Dates und One-Night-Stands. Oder sogar längere Affären. Manche erzählen sich alles, für andere gilt als oberste Regel: don’t ask, don’t tell.
Wichtig ist, dass man sich trotz offener Beziehung treu bleibt: keine Lügen, keine Heimlichkeiten, offen reden wenn es nötig ist.
Treue und offene Beziehung schließen sich nicht aus
Denn Treue lässt sich auf so viele Arten zeigen, indem wir
- zueinander stehen
- uns aufeinander verlassen können
- auch Schwierigkeiten zusammen meistern
- den anderen lieb haben, obwohl er uns manchmal zur Weißglut bringen kann
- uns fair verhalten auch im Streit
- keine egoistischen Alleingänge starten
Und dann wollen andere mir sagen, Treue bedeutet in erster Linie sexuelle Exklusivität?
Macht euch locker, es ist nur Sex!
Ich gehe doch auch zur Wellnessbehandlung, weil die Berührung entspannend ist. Bekomme eine Gänsehaut am ganzen Körper, wenn der Friseur mir die Kopfhaut massiert. Ich werde feucht, wenn ich einen guten Porno anschaue. Oder male mir aus, wie es wäre, wenn Matthew McConaghey nur für mich allein einen Strip hinlegt. Über die Grenzlinie zwischen körperlicher Treue und Untreue zu diskutieren ist deshalb müßig.
Früher haben meine Freundinnen und endlos darüber streiten können, wo Treue aufhört und Fremdgehen beginnt: Wenn er mit einer anderen schläft? Mit einem Kuss? Mit einem Kuss, bei dem er daran denkt, wie es wäre, mit dieser Person Sex zu haben?
Oder schon beim heimlichen Anschauen von Pornos?
Dabei hat regelmäßiger und befriedigender Sex so viele Vorteile:
- Stresshormone werden abgebaut
- das Selbstwertgefühl wird gesteigert
- er fördert erholsamen Schlaf
- Schmerzen werden gelindert
- die Immunabwehr verbessert sich
- der Blutdruck sinkt
- das Risiko für Prostatakrebs sinkt
- die Libido steigt
- Bindungshormone werden ausgeschüttet
Moment mal. Bindungshormone? Da haben wir ja den Salat!
Hey, chill mal. Ich bin immer noch die, mit der mein Freund am häufigsten schläft. Da sollte mit der Bindung zwischen uns also alles im Lot sein, oder nicht?
Formen der offenen Beziehung
Eine feste Definition von offener Beziehung gibt es nicht. Leo Yankovich zeigt auf seiner (sehr empfehlenswerten) Seite “offen lieben” die 13 Formen der offenen Beziehung auf – wo liegen die Vor- und Nachteile, für wen ist welche Form passend? Wenn du herausfinden willst, ob dieses Modell auch für dich geeignet wäre, findest du dort zwar nicht die eine Antwort, aber viele unterschiedliche Lösungsvorschläge.
Dich mit dem Thema offene Beziehung auseinanderzusetzen bedeutet in erster Linie, ehrlich zu dir selbst zu sein. Deine Bedürfnisse und deine Lust auf fremde Haut ernstzunehmen. Nicht mehr so zu tun, als gäbe es nur eine Form der Liebe.
Fremdgehen, Betrug und heimliche Affären überlassen wir nämlich den anderen. Und sehen Sex stattdessen als ein Grundbedürfnis, das jeder sich nach seiner Facon erfüllen darf.
Welche Gründe für eine offene Beziehung gibt es? Welche Probleme können auftauchen? Und gibt es grundlegende Regeln für die offene Beziehung, die dem Vorbeugen können? Darüber schreibe ich in den nächsten Blogposts. (“Diese 7 Fehler lassen offene Beziehungen scheitern”)
Hast Du Fragen zum Thema offene Beziehung? Dann schreib mir eine Nachricht oder einen Kommentar!
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Mehr zum Thema Offene Beziehung:
5 wertvolle Tipps für Offene Beziehungen – Lotta’s Erfahrungsschatz
High Fidelity – 5 Begriffe, die Treue neu definieren
Meine 7 neuen Superkräfte und wie sie das Leben bereichern
Patrick Schröder (BlogMalAnders)
Als ich mich vor einer Weile das erste Mal mit dem Thema offene Beziehung und Polyamorie beschäftigt habe, war weder das Eine noch das Andere tatsächlich Hintergrund für mich. Mein Gedanke war einfach "Wahre Liebe lässt frei"… und was ist, wenn meine zukünftige Partnerin (oder auch ich) ein Bedürfnis, oder nur einen Gedanken haben. In den meisten Beziehungen (gefühlt zumindest) dürfte ja nicht einmal geäußert werden, dass ein Part eine andere Person attraktiv findet, ohne dass Stress vom Zaun bricht…
Mein Gedanke war also "wie es wohl ist, wenn man in einer Partnerschaft so etwas einfach nur ehrlich äußert… auch ohne, dass etwas passieren müsste!?" Ich hatte die Erfahrung mit einer FreundschaftPlus gemacht und war erstaunt wie entspannt und angenehm das freie Kommunizieren dann auch in der Praxis ist. Allerdings ist mir auch klar, dass das ohne tiefere Gefühle sicherlich einfacher umzusetzen ist. Doch die Chance, die ich darin für richtig tiefe Partnerschaften sehe, ist riesig… und gefühlt inzwischen für mich eine Voraussetzung eine Partnerschaft überhaupt noch eingehen zu können.
Dabei ist die Umsetzung, der Grad, noch vollkommen offen und sowieso vermutlich mit jeder Partnerschaft individuell. Hierdurch bin ich mit dem Thema das erste Mal tiefer in Berührung gekommen. Insofern finde ich den Gedanken inzwischen durchaus bedenkenswert, auch wenn ich nicht weiß, ob das etwas für mich sein könnte.
Einer der Gründe, der für mich noch dagegen spricht, ist aktuell noch ein Glaubenssatz, den ich versuche langsam loszulassen: "Die Frau kann nahezu an jeder Ecke Sex bekommen, wenn ihr danach ist." Als Mann sieht das aus meiner Sicht nicht nur vollkommen anders aus, hinzu kommt auch noch mein persönliches Attraktivitätsempfinden, das mir diese Option fast ausschließt. Damit wäre es zumindest aufgrund der inneren Theorie ein sehr ungleiches Verhältnis, auch wenn theoretisch beide dürften.
Ich bin gespannt, was noch alles mit mir passiert, bis ich das nächste Mal einer potentiellen Partnerin begegne. Und dann wirds umso spannender…. Herausforderungen an vielen Fronten 🙂
Bee
Hallo Patrick,
ich bin mit meinem Mann seit einigen Jahren auch am Experimentieren, wie viel andere Haut, Energie und gegebenenfalls auch Körperflüssigkeiten wir erleben wollen… Und wir merken auch, dass es für mich – obwohl ich hauptsächlich mit Kind zuhause bin und auch von hier aus arbeite, während mein Mann beruflich viel unterwegs ist – wesentlich leichter ist, potentielle (Sex-)Partner kennen zu lernen.
Es ist ein Dilemma: Männer meinen, einen starken Sexualtrieb zu haben, der unter allen Umständen ausgelebt werden muss. Prostitution und Porno-Industrie leben ausgesprochen "gut" davon. Männer holen sich reihenweise Körbe, lassen sich ignorieren und demütigen, nur um an Sex heranzukommen. Und Frauen könnten jede Menge Sex haben, aber a) bekommen sie nicht den Sex den sie wollen und b) trauen sie sich nicht, sexuell zu begehren und aktiv zu sein, weil es ja tatsächlich immer noch zu sozialer Ausgrenzung führen kann (interessanterweise sehr stark auch durch andere Frauen). Oder warum veröffentlichen Lotta und ich unter Pseudonym?
Mein Tipp für Dich: Werde ein Experte für "Slow Sex" – da geht es nicht unbedingt um Langsamkeit, aber sehr stark um Präsenz, Achtsamkeit und Spüren. Es geht nicht darum, ein Ziel zu erreichen (den Orgasmus), sondern entspannt und in Kontakt zu sein und zusammen eine gute Zeit zu haben. Die Frauen werden Dich lieben 😉
Alles LIEBE <3
Bee
Patrick Schröder (BlogMalAnders)
Hallo Bee,
lieben Dank für deine Nachricht und deine Offenheit 🙂 Ja, das ist auch meine Erfahrung, wobei ich bei den Themen rund um Prostitution und Pornos nicht wirklich mitreden kann.
Was meine bisherigen Partnerinnen angeht, hab ich in allen Richtungen definitiv viel Lob geerntet, wobei an der Stelle wieder eigene innere Probleme zum Tragen kommen, so dass ich die Komplimente zwar genieße, aber nicht unbedingt lange nachwirken.
Natürlich ist das zudem subjektiv… Und da ich seit ner Weile quasi gar nicht zur Anwendung komme, ist das sowieso realtiv. Ich war aber auch nie jemand, der sich großartig auf die Pirsch gemacht hat.
Gut, vielleicht hätte ich mehr Möglichkeiten, wenn ich mich mehr trauen würde… aber meine bisherige Erfahrung sagt da eher das Gegenteil. Ich bin sicherlich nicht unaattraktiv, aber auch nicht der typische Mann-Leckerbissen, wo sich die Frauen nach umdrehen.
Im Prinzip würd mir eine auch vollkommen reichen, mit der ich mein Leben genießen kann… Ich weiß sowohl in Sachen Partnerschaft, als auch in Sachen Sex und Beruf ziemlich genau was ich möchte und wo ich hin möchte. Ich bin gespannt, ob ich irgendwann einer Frau begegne, die das auch nur ansatzweise mit gutem Gefühl oder gar mit eigenem Bezug mitleben kann und möchte.
Wer weiß, ob mir diese Frau noch vor oder auch erst nach Veröffentlichung meines Buches "Faible, Fetisch, Leidenschaft!?" begegnet… oder erst mit der Umsetzung meines Wunsch-Modelabels… Derzeit ist so vieles offen, dass es spannend wird, mir was wann wie wo und in welcher Kombination begegnet.
Dir auch alles Liebe 🙂
PS: Sexperte werd ich in diesem Leben vermutlich eher nicht 😀