In diesem Artikel geht es um die schockierende Ähnlichkeit zwischen Verliebtheit und Wahnsinn. Verantwortlich dafür ist mal wieder unser Hormonhaushalt. Aber ein besonderes Hormon bringt auch die Rettung aus dem Chaos der Gefühle. Und bildet gleichzeitig die Basis für das, was eine starke Partnerschaft ausmacht. Die vielleicht sogar ein bißchen Fremdverlieben verkraftet. Aber von vorne.

Streng genommen ist das Verliebtsein nämlich eine Stoffwechselstörung. Ein abgedrehter Hormoncocktail aus Oxytocin, Adrenalin, Serotonin und diversen Endorphinen rauscht durch unsere Blutbahnen und trübt unsere Wahrnehmung. (Jeder minimalistische Barkeeper würde diesen Cocktail von seiner Barkarte verbannen – mit so vielen Zutaten hat man zuletzt in den 80ern gemixt.) Die Folge: Wir sehen das Subjekt unseres Begehrens durch die sprichwörtliche rosarote Brille. Der griechische Philosoph Platon ging deshalb sogar so weit, die Liebe als eine Geisteskrankheit zu bezeichnen.

Wer frisch verliebt ist, befindet sich im Ausnahmezustand. Nicht nur die Seele, auch der Körper ist in Aufruhr. Gemessen am Normalzustand ist der*die Verliebte ver-rückt. Verliebtsein ist ein Wechselbad der Gefühle zwischen Herzrasen, schwitzigen Händen und reiner Glückseligkeit.

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Diese 6 Symptome haben Verliebte und Geisteskranke gemeinsam:

Konzentrationsstörungen

Wer kennt das nicht: alle Gedanken kreisen um die geliebte Person. Dich auf die Arbeit oder andere Aufgaben zu konzentieren ist schier unmöglich. Immer wieder schleicht sich das Gesicht des*der Angebeteten vor dein inneres Auge.

Zwangsgedanken, Grübeln

Gleichzeitig spielst du in Gedanken immer wieder den Moment der Begegnung durch. Du schwelgst in Erinnerung an die letzte Begegnung. Oder malst dir aus, wie das kommende Treffen verlaufen könnte. Es scheint nahezu unmöglich, achtsam im Jetzt zu weilen.

Gesteigerter Antrieb (Hochgefühle)

Rastlosigkeit greift nach der Seele. Du kannst kaum stillsitzen. Dein Herz, dieser vielbesungene Hohlmuskel, schlägt wie verrückt. Du könntest Bäume ausreißen und Berge versetzen, nur um dem*der Geliebten deine Zuneigung zu beweisen.

Schlafstörungen

Passend dazu ist dein Schlafbedürfnis vermindert. Abends bleibst du ewig auf in der Hoffnung, doch noch eine Nachricht des*der Geliebten auf Whatsapp zu erhalten. Oder ihr führt stundenlange nächtliche Telefonate. Morgens springst du aus den Federn in Erwartung eines neuen Tages voller aufregender Ereignisse.

Appetitlosigkeit

Trotzdem spürst du jetzt kaum Hunger. Du fühlst dich, als könntest du von Luft und Liebe allein leben. Ihr verbringt engumschlungen die Stunden und merkt viel zu spät, dass ihr schon wieder die Zeit fürs Abendessen verpasst habt. Wenn ihr euch dann spätnachts gemeinsam irgendein Junkfood teilt, nehmt ihr kaum zu, weil euer Stoffwechsel ja tagsüber eh auf Hochtouren läuft.

Gesteigerte Libido

Seid ihr einander fern, schmachtet ihr nach dem*der Anderen und schreibt euch Romane im Messenger. Seid ihr beieinander, könnt ihr die Hände nicht voneinander lassen. Zumindest die erste Zeit des Verliebtseins ist deine Libido auf ihrem Hoch. Du willst Sex, und das am liebsten häufig und lange.

Eine Wand voller Badeenten
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Die Kehrseite der Medaille

Die Liste an Symptomen, die Verliebte und Geisteskranke teilen, ließe sich noch endlos fortsetzen. Vor allem, wenn der erste Rausch erstmal vorbei ist. Oder wenn die Liebe unerwidert bleibt. Dann treten Ängste, negative Gedankenspiralen und Gedankenarmut – ein auf wenige Themen beschränktes Denken – an erste Stelle. Die Trauer des Liebeskummers oder Gefühle der Eifersucht gehen mit einer starken Ich-Bezogenheit einher, wie sie typisch für Psychosen ist. Genauso, wie sich das Liebespaar im Mittelpunkt einer wunderbaren Welt wähnt, sieht der*die an Liebeskummer Leidende nichts mehr als die Düsternis seiner*ihrer Qualen.

Das Syndrom des gebrochenen Herzens

Eine gescheiterte Liebe kann sogar starke gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Die Medizin spricht vom “broken heart syndrome” (Gebrochenes-Herz-Syndrom). Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung des Herzmuskels, die tatsächlich messbar ist.

Und trotzdem werfen wir uns nur zu bereitwillig wieder in dieses wunderbare Gefühl des Verliebtseins. Manchmal sogar parallel zu einer langwährenden Liebesbeziehung. Denn darin sind wir uns wahrscheinlich einig: Verliebtsein und Liebe sind nicht dasselbe. Je mehr die Symptome des Wahnsinns des Verliebtseins nachlassen, desto mehr festigt sich die Liebe. Wir werden vertrauter mit den Eigenarten des*der Andren. Wir können uns zeigen, wie wir sind. Wir bauen Vertrauen auf. Und fangen an, wieder den gegenwärtigen Moment zu genießen.

Kuscheln ist wichtiger als Sex ist, um eine lange und stabile Partnerschaft zu haben.

Um diese stabile Beziehungsbasis aufzubauen, übernimmt nun endlich das Hormon Oxytocin die Führung. Während das Teufelchen Serotonin uns in der ersten Beziehungsphase noch durch eine Achterbahn der Gefühle schickt, baut Oxytocin die Grundlagen für eine dauerhafte Bindung. Oxytocin ist als Kuschelhormon bekannt, da es u.a. bei Berührung und Umarmung ausgeschüttet wird. Es reguliert Blutdruck und Cortisolspiegel, wirkt also Wunder gegen Stress. Wie das genau funktioniert, ist in diesem Artikel gut verständlich beschrieben.

Kurz gesagt: Oxytocin entspannt dich, gibt dir ein gutes und sicheres Gefühl und sorgt für ein besseres Miteinander. Das Wort Bindungshormon wäre also viel passender. Deshalb ist es auch so wichtig, in einer Beziehung viel zu kuscheln.

Und trotzdem bleibt der Reiz des Verbotenen Verliebtseins. Trotz aller Wahnvorstellungen, dem Kontrollverlust, den schwitznassen Händen wollen wir es früher oder später wieder spüren. Denn wer verliebt ist, fühlt sich lebendig, verjüngt und energiegeladen. Und ein bisschen ver-rückt.

Verliebtsein oder Liebe – warum nicht beides?

Wer sagt, dass wir uns zwischen Verliebtsein oder Liebe entscheiden müssen? Ich weiß, dass eine Partnerschaft beides gleichzeitig aushalten kann. Liebe und Verliebtsein können nebeneinander bestehen. Die romantische Vorstellung von Beziehung sieht im Verlieben den Feind der schon bestehenden Liebe. Dabei ergänzen die beiden sich ganz wunderbar. Das Verliebtsein versprüht eine Magie, die in einer langen Liebe eben auch lange her ist. Auf der anderen Seite beherrscht die Liebe, wovon das Verliebtsein nur den Hauch einer Ahnung hat: Vertrauen schenken, Sicherheit geben und Beständigkeit zeigen. Zwei Seiten einer Medaille – jede wäre ohne die andere unvollständig.

Wie lange ist es bei dir her, dass du dich so richtig verliebt gefühlt hast? Und war das nicht ein wunderbarer, völlig irrer Zustand? Dein Herz ist groß genug, beides zu spüren – Liebe für den*die Partner*in und Verliebtsein für jemand Neues. Die Erlaubnis dazu kannst du dir nur selber geben. Was spricht dagegen, einfach mal mit offeneren Augen durch die Welt zu gehen? Wer weiß, was dir dann vor die Füße fällt. Vielleicht ja sogar eine frische, freie Frühlingsliebe.

Bis dahin findest du hier im Blog viele Infos über die Vorteile einer offenen Beziehung, zum Beispiel in diesem Artikel über die 5 konkreten Gründe für die offene Beziehung.

Um dich wieder auf den Geschmack eines ersten Dates zu bringen, ist dieser Text genau der Richtige: Küss mich Fremder! Über ein ungewöhnliches erstes Date

Test: Wieviel Wahnsinn steckt in Dir?

Und wenn du noch nicht genug vom Wahnsinn hast, habe ich hier noch einen Selbsttest für dich:

Sind wir nicht alle ein bisschen Gaga? Dieser Test verrät Dir, welche der fünf häufigsten Geisteskrankheiten dir am besten zu Gesicht stehen würde!