Kinders, ihr macht mich sprachlos. Der letzte Blogartikel Offene Beziehung ist, was du draus machst wurde von allen innerhalb einer Woche am meisten gelesen. Dass das Interesse für dieses komplexe Thema so groß ist, freut mich wahnsinnig.

Vielleicht hat dir mein Plädoyer für Treue in der offenen Beziehung und die Vorteile von regelmäßigem (befriedigendem) Sex so gefallen, dass dich der Gedanke an eine offene Beziehung nicht mehr loslässt.  

Bevor du zur Tat schreitest und deine*n Partner*in um ein Gespräch unter vier Augen bittest, solltest du auf einige Stolpersteine gefasst sein, die in offenen Beziehungen gerade zu Beginn deinen Weg pflastern können.

Je besser du darauf vorbereitet bist – oder deine Beweggründe hinterfragst – desto eher kannst du durch dein Handeln entgegenwirken. Zu jedem Fehler erhältst du einen Lösungsvorschlag, der zum Gelingen einer offenen Beziehung beiträgt.

Diese 7 Fehler werden deine offene Beziehung scheitern lassen (inkl. Lösungsvorschläge):

1. Fehler: Hilfe, dein*e Freund*in wünscht sich eine offene Beziehung – und du machst notgedrungen mit

Worst – case – ever. Das Interesse an einer offenen Beziehung sollte immer von beiden gleichermaßen ausgehen. Es ist normal, dass eine*r neugieriger ist als der*die andere. Aber niemand sollte zu einer offenen Beziehung überredet werden oder nur darauf eingehen, um den*die andere*n nicht zu verlieren.  

Lösung: 

Der Gedanke an eine offene Beziehung verursacht dir Übelkeit und Herzrasen. Auch drüber-schlafen hilft nicht, weil du nachts kein Auge mehr zumachst, seitdem das Thema auf dem Tisch ist.

Dann erteile deinem*r Partner*in eine Absage. Zumindest jetzt und unter den momentanen Umständen würde dir eine offene Beziehung mehr weh tun als weiterhelfen.

Suche aber das Gespräch mit deinem*r Partner*in, warum er*sie sich eine offene Beziehung wünscht. Vielleicht hat er*sie ein größeres Bedürfnis nach Zweisamkeit, als ihr es gerade pflegt.

Vielleicht hat sich in eurer Beziehung auch eine Routine eingestellt und er*sie ist nur neugierig, was es da draußen noch zu entdecken gibt. Wie ihr euch als Paar wieder annähern könnt, ohne den anderen mit Vorwürfen zu verletzten, beschreibt die Familientherapeutin Birgit Salewski in ihrem Interview mit dem BR.

2. Fehler: Deine Eifersucht frisst dich auf

Eigentlich seid ihr euch einig in eurem Wunsch, die Beziehung zu öffnen. Dein Verstand propagiert die freie Liebe und du gönnst deinem Partner von Herzen neue Erfahrungen. Dein Herz leidet trotzdem unter Eifersucht. Sie nur zu verdrängen wird unweigerlich zum Scheitern deiner Beziehung führen. Denn sie führt zu Schmerz, Vorwürfen, Verdächtigungen und eigentlich zu all dem, was ihr doch eigentlich besser machen wolltet.

Lösung:

1. Eifersucht ist kein eigenständiges Gefühl, sondern ein Gemisch aus Emotionen. Darin verstecken sich zum Beispiel die Angst vor Verlust, Angst vor dem Alleinsein, ein Gefühl des Nicht-wert-seins, Selbstzweifel, Misstrauen. Spür in dich rein, welche das bei dir sind.

Vielleicht hast du eine Idee, woher diese Emotionen stammen? Oft ist die offene Beziehung nur ein Auslöser, aber der Ursprung liegt in früheren Erfahrungen, die noch nicht verheilt sind.

2. Such die Schuld nicht beim anderen. Arbeite selbst an deiner Eifersucht. Überlege Dir, wie dein*e Freund*in dich dabei unterstützen könnte (was würde dir helfen?) und bitte ihn*sie darum.

Sag ihm*ihr, wie du dich fühlst, ohne ihm*ihr dabei Vorwürfe zu machen. Bitte ihn*sie um eine Umarmung und erlaube dir dabei selbst, dich geliebt zu fühlen. Mach dir bewusst, dass du die Eifersucht nicht überwinden musst. Tu stattdessen regelmäßig etwas für dein Selbstwertgefühl!

Ich habe mir mein Leben lang viele Sorgen gemacht. Das meiste davon ist niemals eingetreten. (Mark Twain)

3. Fehler: Deine Beziehung ist noch frisch

Du bist frisch verliebt, rennst mit debilem Dauergrinsen durch den Tag und zeigst allen die es (nicht) sehen wollen ein Foto deines*r neuen Freundes*in. Und er*sie will die Beziehung öffnen.

Vielleicht ist es auch andersrum und du selbst hast das Gefühl, dich (noch) nicht festlegen zu wollen. Im Idealfall seid ihr beide verliebt, wollt aber ein neues Beziehungsmodell wagen.

Doch was langjährige offene Beziehungen funktionieren lässt, fehlt euch noch. Du kennst den*die andere*n nur oberflächlich. Eure verletzliche*n Seite*n konntet ihr euch noch nicht zeigen. Ihr habt noch keine Kommunikationsroutine. Der Alltag ist im Idealfall eine Paar-Kür im Sternschnuppenregen, aber gleichzeitig lauert überall Glatteis.  

Lösung:

Redet miteinander. Über eure Erwartungen, Ängste, Befürchtungen. Erzählt euch, woran eure letzten Beziehungen gescheitert sind. Gesteht auch eigene Fehler ein. Vergleicht, ob ihr eine ähnliche Einstellung zur Liebe habt. Decken sich eure Wert- und Moralvorstellungen? Wo gibt es Reibungspunkte, wo lauert Streit? Lies dazu die Tipps von Beziehungs-Coach Melanie Mittermaier: 7 Tipps für eine erfolgreiche Kommunikation in der Beziehung

4. Fehler: Du willst eigentlich was ganz anderes, aber gibst es nicht zu

Es gibt viele Gründe eine offene Beziehung zu starten. Für viele Menschen steht tatsächlich die Liebe im Mittelpunkt. Sie suchen die Freiheit und Möglichkeit, ihr volles Potential zu entfalten. Das sind häufig Leute, die ziemlich reflektiert über ihre Wünsche und Möglichkeiten sprechen können. Aber auch anderes kann dahinterstecken.

Zum Beispiel geheime Fantasien, für die du dich vor dem*der Partner*in schämst oder die du nicht mit ihm*ihr ausleben willst. Die Suche nach Anerkennung, weil der*die Partner*in dir nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Womöglich suchst du sogar ein Sprungbrett zur Trennung. Am Ende steht hinter allem der Versuch, deine Verletzlichkeit zu verbergen, indem du Ersatzbefriedigung und Ablenkung suchst, anstatt das eigentliche Problem anzugehen.

Lösung:

Redet miteinander. Wiederhole ich mich? Egal. Denn das sollte dir zur Gewohnheit werden in einer offenen Beziehung. Wenn dieser Abschnitt etwas in der triggert, dann überlege, was es sein könnte. Wenn du nicht gleich drauf kommst, lass dir etwas Zeit. Hauptsache du hinterfragst deine Motivation zur offenen Beziehung. Das bist du dir selbst und deinem*r Partner*in schuldig.

5. Fehler: Du bist zu faul für Absprachen und gute Organisation

Dein Freund verabschiedet sich plötzlich zu einem Date, obwohl du dich aufs gemeinsame Kochen gefreut hast. Du hattest deinen Lover über Nacht im eigenen Bett, obwohl dein Freund davon ausging, dass ihr euch nur auf neutralem Terrain trefft. Dein Freund erzählt dir vom leckeren 5-Gänge-Menü mit Weinbegleitung, das er mit seiner Bekanntschaft hatte – in eurem gemeinsamen Lieblingslokal. Ihr verpasst den gemeinsamen Jahrestag, weil ihr euch in euren Terminen verzettelt. Alles Kleinigkeiten, die nicht viel bedeuten müssen. Aber je nach persönlicher Empfindsamkeit können sie einen Stachel hinterlassen. Über die Zeit summiert sich das auf zu dem Eindruck, dem anderen nicht wichtig zu sein.

Lösung:

Schon bevor du eine offene Beziehung startest, solltest du Absprachen mit deinem*r Partner*in treffen. Nicht nur über das Naheliegende (wie weit geht man mit der Affäre, wie oft sind Treffen außerhalb der Beziehung erlaubt, etc…), sondern auch über Dinge, die auf den ersten Blick banal erscheinen. Planst du ein Treffen mit einem Date oder deiner Affäre, sprich mit deinem*r Partner*in darüber.

Es mag Paare geben, die nach dem Motto “don’t ask, don’t tell” verfahren (zu deutsch: was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß). Meiner Erfahrung nach ist das nur auf den ersten Blick bequem. Langfristig bewährt es sich, auch hier Offenheit und vor allem Ehrlichkeit zu leben. Und im Zweifelsfall in ein anderes Restaurant zu gehen.  

6. Fehler: Du siehst die offene Beziehung als Wettkampf

Egal wie viele Lover dein*e Freund*in schon hatte, du willst immer 1 mehr. Am Wochenende ist es bei ihr zufällig zu einem Dreier mit zwei Freunden gekommen? Verdammt, das war doch dein großer Traum – jetzt setzt du alles daran, endlich auch einen Dreier zu erleben. Oder die noch krassere Swingerparty zu besuchen. Oder noch mehr Tindermatches zu sammeln.

Aus jedem neuen Erlebnis machst du eine Challenge, jede neue Bekanntschaft klopfst du erstmal drauf ab, ob sie dir nützlich sein kann für deinen Plan: Dein*e Freund*in zu übertrumpfen. Irgendwann erzählt er*sie dir schon gar nichts mehr, weil du eh nicht wirklich am Inhalt interessiert bist, nur noch an der Zahl. Am Ende verlässt er*sie dich genervt.

Lösung:

Hast du Angst, dein*e Freund*in zieht rechts an dir vorbei und du bleibst auf der Strecke? Wann hast du angefangen, deine Liebesbeziehung als Wettkampf zu sehen und dein*e Partner*in als Gegner?

Verabschiede dich von der Idee, diesen Kampf gewinnen zu können. Denn er findet vor allem in deinem Kopf statt. Selbst wenn dein*e Freund*in schon eine Affäre mehr hatte – versuch es ihr*ihm zu gönnen!

Freu dich dran, eine*n offenbar so attraktive*n Partner*in zu haben. Wenn du es schaffst, erzähle ihr*ihm von deinen Bedenken. Überlegt gemeinsam nach einer Lösung. Für so viel Offenheit hast du dann ausnahmsweise wirklich einen Pokal verdient.

7. Fehler: Zwischen euren Moralvorstellungen liegen Universen

Du würdest am liebsten ausgelassene Orgien feiern, während es deinem Freund schon reicht, ab und zu mal zu mit anderen Frauen zu flirten. Ihr diskutiert darüber, ob küssen erlaubt oder zu intim ist. Dein Partner nimmt deinen Wunsch, über seine Affären informiert zu sein, nicht wichtig – es sei doch eh nur Sex.

Lösung:
Such das Weite – und jemanden auf deiner Augenhöhe.

Fazit:

Eine offene Beziehung kann keine ernsthaften Beziehungsprobleme lösen.

Die beste Basis für eine offene Beziehung ist eine gut funktionierende Beziehung.